DIE BÜRGERINITIATIVE "LEBENSWERTE STADT"             stellt sich vor

1. Wer sind wir?

Unsere Aktiven

 

Uns alle eint eine Leidenschaft.

Die Leidenschaft, dem Alten in unserer Zeit einen Platz zu geben, ohne das Neue zu verhindern. Unsere Geschichte heute mit Respekt und Wertschätzung zu Wort kommen zu lassen und auf ihr das Morgen zu bauen. In einer Stadt muss man ihre Geschichte ablesen dürfen. Und Neues darf sich in diese Geschichte einfügen.

Teilen Sie diese Überzeugung, dann sind Sie bei uns genau richtig.

Wir sind Bürgerinnen und Bürger der Städte Bad Neuenahr und Ahrweiler und der umliegenden Ortschaften – oder fühlen uns diesen verbunden.

Das genügt.

 

Gegründet wurde die Bürgerinitiative im Sommer 2014 im Barocksaal des ehemaligen Hotels Westend. Bis heute haben sich ca. 100 Personen in die Listen der BI eingetragen, um mitzuwirken, informiert zu werden und uns ideell oder finanziell zu unterstützen.

 

2. Was wollen wir?

Unsere Ziele

 

 Das wollen wir:

eine Stadt mitgestalten, in der es sich gut leben lässt.

Eine Stadt, die allen Generationen Heimat bietet.

In der man ablesen kann, wie sie geworden ist,

und die wertschätzend mit ihrer Geschichte umgeht.

In der sich Neues gut einfügt und die ein rundes Bild abgibt.

In der sich das Typische einer Region widerspiegelt und das Unverwechselbare gepflegt wird.

Uns geht es also um Baukultur und damit letztlich um eine Kultur des guten Lebens.

 

Im Zentrum steht dabei NICHT allein ein behutsamer und bewusster Umgang mit der historischen Bausubstanz und der Geschichte unserer Stadt.

Aber ihm kommt eine zentrale Bedeutung zu: Denn, was soll in Zukunft passieren mit den schmucken Bäderhotels unserer Stadt, den Gründerzeithäusern und den Villen? Den Fachwerkhöfen, den Winzerhäusern? Was mit den Kirchen und sakralen Bauten?

Jeder dieser Bauten erzählt eine Geschichte.

Eine Geschichte der Entstehungszeit, der Epoche, der Bauherren. Eine Geschichte derer, die sie mit Leben füllten. Eine Geschichte davon, wie Menschen damals dachten, die Welt betrachteten, fühlten. Sie zu erhalten, heißt ein Stück Lebenskultur zu erhalten.

 

Opfern wir sie reinem Profitdenken? Geben wir sie auf? Versuchen wir sie heutigen Wohnbedürfnissen anzupassen? Ersetzen wir sie?

 

Natürlich wissen wir auch um die Probleme, die damit verbunden sind. Das betrifft den Umgang mit Ressourcen, die Wohnraumgestaltung nach heutigen Maßstäben und Erfordernissen, die Frage nach dem Umgang mit widerstreitenden Interessen.

 

In der Baukultur spiegelt sich nicht nur Geschichte, sondern spiegeln sich Geschichten von Menschen. Wohnraum schafft Bevölkerungsstruktur. Wer darf in unserer Gemeinde wohnen? Gibt es Wohnraum nur für die, die es sich leisten können? Gibt es Platz für Kinder und Jugendliche? Welche Kulturen prägen eine Stadt mit? Haben wir Raum für Begegnungen der Generationen? Wie feiert sich Gemeinde? Wie kauft man hier ein und was?...

 

 

Die Ziele:

Schätze entdecken

Die Schätze, die es (noch) in unserer Stadt gibt, heben. Hinweisen. Geschichte lebendig werden lassen und die Einwohner dafür und für das Thema Gestaltung unserer Stadt sensiblisieren und sie kompetent machen.

Visionen gestalten

Über Möglichkeiten einer behutsamen Gestaltung von Alt- und Neubauten, die das Umfeld, den Bautypus, die Geschichte und die Region beachtet, informieren. Auch visualisieren. Aber auch kompetente Beratung anbieten und Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Handwerkern, denen alte Gewerke vertraut sind!

Leben ermöglichen

Eine Stadt, die „unsere“ Stadt sein soll, braucht demokratische, lebendige und kontroverse Prozesse: Einwohnerbeteiligung, Ideenaustausch, gemeinsames Ringen um gute Lösungen.

Zukunft planen

das Streben nach einem gesamtstädtischen, runden und in sich harmonischen Ganzen braucht ein visionäres Gesamtkonzept, das das Morgen im Blick hat und das Gestern nicht aus den Augen verliert. Es braucht eindeutige Leitlinien und die Courage, diese durchzusetzen – auch gegen Zeitgeist und Bauherrenindividualismus.

Orientierung geben

Daher braucht es Fortschreibung der „Gestaltungsordnung“ der Stadt, die die Bau“Typen“ unserer Stadt- und Ortsteile würdigt und die Geschichte respektvoll begreifbar macht.

Dies wollen wir in enger Abstimmung mit den kommunalen Behörden (Stadt/ Kreis) verfolgen.

 

 

3. Wie arbeiten wir?

Unsere Strukturen

 

Herz der BI sind fünf Arbeitskreise.

 

So kann sich jede und jeder nach seinen Talenten und seine Vorlieben einbringen.

 

Diese Arbeitskreise treffen sich, planen Aktivitäten und stehen mit den anderen AKs im engen Austausch.

 

 

AK

Grundausrichtung

Aktivitäten

1. Sehschule


Leiter:

Axel Hausberg

Würdigen vorhandener Bauten, sensiblisieren für Baukultur und –geschichte, herausfiltern ortsteiltypischer Bautypen und –merkmale, weiterschreiben dieser in zeitgenössische Architektur.


Kritische Stadtrundgänge, Ausstellungen, Vorträge, Aktionen, Artikelserien.

2. Netzwerk


Leiter:

N.N.


Erfassen und vermitteln von Handwerkern, die alte Gewerke und Handwerkskunst beherrschen.


Aufbau eines Netzwerkes. Regelmäßige Sprechstunden.

3. Klingelputzer


Leiter:

Markus Hartmann

Erfassen von alter Bausubstanz und ihrer Besitzer. Unterstützung, Hilfe, Beratung wenn diese ihre Häuser wiederherrichten und sanieren möchten.


Kontakte aufbauen und pflegen. Visualisieren des sachgerecht wieder hergestellten Hauses,

beraten und unterstützen der Hausbesitzer, Aufbau eines Immobiliennetzwerkes.


4. Stadtgrün


Leiter:

Dr. Jürgen Lorenz

Würdigen vorhandener Parks und Gärten, sensiblisieren für Gartenkultur und –geschichte, herausfiltern ortsteiltypischer und ökologisch sinnvoller Bepflanzung.


Kritische Stadtrundgänge, Ausstellungen, Vorträge, Aktionen, Artikelserien.

5. quo vadis


Leiterin:

Marion Morassi

Kritischer Blick auf die soziale Entwicklung der Stadt, benennen der Ursachen, der Folgen und Vorschläge für eine Gegenentwicklung.


Vorträge, Diskussionen, Foren. Kritische Millieurundgänge, Aktionen.


 

 

Stadt – Bild – Stadtbild

 

Vortrag: Jahresversammlung 01.12.2015

 

1. Welches Bild habe ich von....?

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn ich Sie frage: Welches Bild haben Sie von Köln?

Was würden Sie aufzählen?

Was würden Sie benennen?

Was dürfte auf keinen Fall fehlen?

Welches Bild haben Sie von Köln?

Vielleicht würden Sie unterschiedliche Bauwerke aufzählen.

Den Dom, die Hohe Straße, Kirchen, Museen.

Auch unterschiedliche Geschichten erzählen:

- Geschichten, die Sie in Köln erlebt haben

- Von Festen, die Sie in Köln gefeiert haben.

Sie würden mir Theatern erzählen, von der Domplatte, vom Karneval. Von Ihren Einkäufen dort, Personen aus Köln und vom Kölsch und vom Halwe Hahn.

Welches Bild haben Sie von Köln?

Die Antworten würden sehr verschieden sein und sehr komplex – und darauf will ich hinaus:

ein Stadtbild ist ein Mosaik aus sehr verschiedenen Bildern. Ein Stadtbild setzt sich aus vielem zusammen –

Jedes Teil ist nur ein Element,

aber keines darf fehlen.

Meines Erachtens kann man aber diese Elemente auch systematisieren.

2. Was ein Stadtbild braucht....

Es gibt natürlich Gegebenheiten, die eine Stadt prägen, auf die wir keinen Einfluss haben –

Das ist ihre Lage:

- Liegt sie am Meer, in den Bergen?

- Liegt sie in eingebettet in einem Ballungsraum

oder auf dem platten Land?

Das sind auch geographische Gegebenheiten:

- Gibt es dort Wasser, Wind, Sonne?

- Gibt es dort Bodenschätze und damit Industrie

oder bietet sie andere wirtschaftliche Faktoren

Das ist auch die Infrastruktur:

- Wie erreicht man diese Stadt?

- Wie ist sie ins Welt und Wirtschaftsgeschehen eingebunden?

- Was bietet sie ihren Bewohnern – welche Möglichkeiten von

Erwerbstätigkeiten, Schulen, Kultur? u.s.w.

Das sind Faktoren, die für eine Stadt entscheidend sind,

die ihre Kultur prägen, ihre Geschichte

und die Weise, wie wir sie heute erleben.

Das sind sozusagen: „harte Faktoren“, auf die habe ich keinen Einfluss.

Ich meine, es gibt aber auch „weiche Faktoren“,

die ich sehr wohl gestalten kann,

und auf die ich sehr wohl (mehr oder weniger) Einfluss nehmen kann. Ich kann sie pflegen,

auf sie Rücksichtnehmen,

sie in meine Gestaltung einfließen lassen.

Ich kann für sie sensibilisieren.

Und sie wollen wir als BI ins Bewusstsein heben, sie mitgestalten,

sie stärken!


Ich meine es gibt 5 Faktoren, die sicherlich auch in gewisser Weise ineinandergreifen und einander bedingen.

Es bleibt also ein Versuch, sie klar zu beschreiben:

1. Landmarken

Stadtbild Köln: was kam ihnen in den Sinn?

Ich denke, der Dom gehört dazu.

Vielleicht auch die Hohenzollernbrücke oder Groß-St. Martin, oder das Glockenhaus von 4711.

Auf jeden Fall: Landmarken

Mit Landmarken meine ich Bauwerke, die es nur in dieser Stadt gibt.

Die für die Geschichte dieser Stadt stehen.

Geschichte, Geschichtchen, das Werden der Stadt.

Die dokumentieren, warum diese Stadt und ihre Bewohner heute so sind und nicht anders.

Landmarken stehen für Identität.

Sind Sammelpunkte, an denen sich das Selbstbewusstsein einer Stadt, sogar einer Region, manifestieren

 

Stadtbild Bad Neuenahr: was kommt ihnen in den Sinn? Vielleicht der Turm vom Kurhotel oder die Rosenkranzkirche. War früher das Palasthotel ein solcher Punkt?

Oder der Kaiserhof?

Das Päda?

Es ist Kurgeschichte und sind Geschichten rund um ́s Kurstadtdasein, die Neuenahrs Identität ausgemacht haben.

Die Geschichte einer Stadt, die aus dem Nichts zum rheinischen Karlsbad wurde.

In der sich die Welt ein Stelldichein gab.

Für die einen eine Geschichte von „Huhsickere“,

für die anderen die spannende „Tellerwäschergeschichte“.


Das hat sich verändert

Kur hat sich verändert. Die Bedeutung von Kur.

Aber mit einem Mal hat sich auch das Stadtbild so verändert: Landmarken, die mit dieser Geschichte zu tun haben, werden leidenschaftslos weggerissen.

Große Kur-Hotels und Pensionen,

Gästebetriebe und alles, was das Wesen einer Kurstadt ausmacht, werden ausgelöscht.

Ich habe Angst, dass mit dem Wegputzen dieser Zeitzeugnisse auch die Identität unsere Stadt in Wohlgefallen auflöst.

Wie können wir Menschen dazu bewegen, dass sie sich für diese Bauwerke einsetzen?

Sie wertschätzen und würdigen?

Sie zu erhalten trachten und in die heutige Geschichte des Bades einbeziehen?

„Und würdig wohnt im Neuen das Gewesene!“


Geschichte und Geschichten

Stadtbild Köln: was kam ihnen in den Sinn?

Ich denke, viele Geschichten.

Vielleicht historische Geschichte –

wie die, dass die Kölner ihren Erzbischof vertrieben haben

oder die Geschichten ihres Oberbürgermeisters Konrad Adenauer.

Selbst, wenn ich die Historie Kölns nicht en detail kennt,

so beschleicht mich doch, wenn ich an Köln denke,

doch die Ahnung von langer und großer und komplexer Geschichte.

Keine Zukunft ohne Herkunft! lautet ein wichtiger Merksatz. Ich bin, wie ich bin, geworden.

Ich bin, was ich bin, weil ich eine Geschichte habe.

Meine ganz persönliche Geschichte

mit allen Beziehungen, Einflüssen und Prägungen,

Höhen und Tiefen, Ermutigungen und Verletzungen. Meine Familiengeschichte und alle Faktoren ihrer Zeit.

Das ist mit einer Stadt nicht anders.

Die Kölner sind selbstbewusst, weil die Bürgerschaft sich gegen alle Autoritäten zu behaupten wusste.

Die Kölner ticken anders als die Menschen in anderen Städten, weil ihre Geschichte eben die Kölner Geschichte war und nicht die, der anderen Städte.

Darüber gibt es Dokumente und Zeitzeugnisse in Form von Bauwerken – eben Landmarken – und darüber erzählen die ganz persönlichen Geschichtchen von Menschen. Vom Köbes und vom Kardinal, vom Hänneschen und Bärbelchen, von Autoritäten und Menschlichkeiten und von Menschen, Du und ich.


Stadtbild Bad Neuenahr: was kommt ihnen in den Sinn?

Ich habe Angst, dass die Neuenahrer gerade ihre Geschichte mit dem Bade auskippen. Wortwörtlich.

Ihre Geschichte ist die Geschichte von Menschen, die diese Kurstadt mit aufbauten und sie prägten.

Von jüdischen Ärzten und Heilung suchenden Adeligen,

von Einheimischen, die im Herzen Bauern und Winzer blieben,

und Gärtnern, die hier das große Geld machten.

Es ist die Geschichte von einer Stadt,

die ihre eigene Geschichte nun nicht wertschätzend neu

durchbuchstabiert und weitergeschreibt,

sondern – so mein Eindruck – auslöscht und vergisst.

Das mache ich fest am Umgang mit den Landmarken.

Wie können wir Menschen dazu bewegen, dass sie ihr Lebensumfeld mit Bewusstsein für ihre Geschichte gestalten?


Atmosphäre

Stadtbild Köln: was kam ihnen in den Sinn?

Karneval vielleicht. Feste feiern.

Die viel besungene Eckkneipe und in ihr die Gemeinschaft in der jede und jeder, wie er ist zuhause ist.

Geselligkeit. Klaafe, bütze, fiere....

Das beschreiben die Kölschen Hits bis zum Umfallen. Besingen es, beschwören es.

Ein Stadtbild wird in hohem Maße geprägt vom Leben in der der Stadt. Der Grundeinstellung zum Leben.

Dem Miteinander im Alltag.

Dem Miteinander der Generationen.

Stadtbild Bad Neuenahr:

was kommt ihnen in den Sinn?

Rollatorenfreundlich und sauber. Ruhig – weitestgehend. Tote Bürgersteige ab 20:00.

Kinder im Stadtbild: Fehlanzeige.

Lebhaftes Miteinander der Generationen? Fehlanzeige.

Junge Familien, die von Zukunft dieser Stadt erzählen: allenfalls punktuell.

Diese Stadt bietet als Kurstadt viel für Menschen, die hier ihren Lebensabend gestalten wollen. Und das ist gut so.

Ich habe Angst, dass sie aber, weil wir genau das sehr fördern, die anderen Generationen abdrängen und aus den Augen verlieren.

Wie können wir Menschen dazu bewegen, dass sie ihr Lebensumfeld mit Bewusstsein für die Bedürfnisse aller Generationen gestalten?


Regionalität

Stadtbild Köln: was kam ihnen in den Sinn? Kölsch. Blootwursch, Flönz un ene halwe Hahn.

Auch in Zeiten der Globalisierung

oder muss ich sagen, gerade in Zeiten der Globalisierung hat das Regionale Hochkonjunktur.

Das sind Sprache, Traditionen, Speisen und Gerichte.

Das sind aber auch Baustile und Materialien.

Regional ist auch die Neigung des Daches, sind die Fenster und Türen, die Anordnung von Giebel und Traufseite zur Straße.

Sind vielleicht auch Grundstücksgrößen und Schnitte.

Sind Gewässer und Bäume und Hecken und Pflanzen.

Stadtbild Bad Neuenahr: was kommt ihnen in den Sinn?

Ich habe Angst, dass wir gerade verwechselbar werden.

Gehen Sie durch die Innenstadt Neuenahrs: woran erkennen Sie, dass sie in Neuenahr sind und nicht in Frankfurt?

Gehen Sie durch unsere Neubaugebiete: Legomanie und Bausparerbarock, wie er in ganz Deutschland wuchert.

Wie können wir Menschen dazu bewegen, dass sie ihr Lebensumfeld mit Bewusstsein für diese Region gestalten?


Unverwechselbarkeit

Eigentlich der Überbegriff

Stadtbild Köln – was kam ihnen in den Sinn?

In den Sinn kamen ihnen vermutlich lauter Elemente, die Köln zu Köln machen.

Elemente, die Köln von Stuttgart, Castrop-Rauxel, Berlin oder Hamburg- Poppenbüttel eindeutig unterscheiden und einzigartig, unverwechselbar machen –

und das obwohl es natürlich auch eine gewaltige Schnittmenge gibt, die Köln genau mit diesen Städten auch wiederum verwechselbar macht.

Aber die Kölner haben es geschafft,

meines Erachtens mehr mit Karnevalshits und gutes Marketing, als dass es wirklich Strategie war,

genau das in den Vordergrund zu stellen, was Köln zu Köln macht: Kölle, du bis e Jeföhl.


Resümee

Stadtbild ist mehr,

als die Summe von Häusern. Ist Leben, Lebensqualität, ist Stimmung.

Köln hat es geschafft, das was es ausmacht, in den Focus zu setzen. Und gleichzeitig ist Köln eine Stadt, in der eine unglaubliche Menge von Menschen aus anderen Kulturen oder anderen Regionen und mit allen nur denkbaren Lebensentwürfen zuhause sind.

Sie haben sich in dieser Stadt beheimatet. Und das ist was eine Stadt schaffen muss: Beheimatung bieten für alle.

Zwei Kinder im Sandkasten:

Sie spielen. Sie sind sich eins.

Ein drittes Kind kommt dazu, fragt, ob es mitspielen darf.

Die zwei schauen sich an.

Sie haben die Macht zu entscheiden, ob ja oder nein.

Und sie werden nicht fragen: wer ist der Dritte? Was bringt er mit? Sondern, wie werden schauen,

ob ihre Beziehung, ihr Miteinander den Neuen aushält.

Übersetzt bedeutet das:

Wenn wir uns unserer Geschichte, unserer Wurzeln,

unserer Herkunft und unserer Einzigartigkeit bewusst sind,

dann schaffen wir es

Heimat im Guten zu gestalten, weil uns daran liegt, dass die Stadt sich weiterentwickelt

Und wir schaffen es,

Heimat zu bieten für andere.

Daran wäre mir gelegen, und das hat sich die BI auf die Fahnen geschrieben.

Welchen Beitrag können wir als BI dazu leisten?

Rechtliche Mittel begrenzt

- im Baugesetzbuch steht etwas von „einfügen“ (§ 34),

verrät aber nicht wie,

denn einfügen bedeutet mehr als Länge, Breite, Höhe.

Auch andere Mittel, wie

Bebauungspläne und Gestaltungssatzungen helfen nur begrenzt. Weil sie zwar Vorgaben machen,

aber Qualität mehr ist, als das Einhalten dieser Vorgaben.

Die Stadt braucht eine „Partitur“ auf der sie gestalterisch spielt. Grundton dieser Partitur muss sein die „Unverwechselbarkeit“, anders gesagt, sie braucht ein Leitbild.

Braucht neben Vorgaben zu Länge, Höhe, Breite auch eine ideelle Substanz, aus der heraus sie sich weiterentwickelt

und wohin sie sich entwickelt.

Sie muss sich den Fragen stellen:

- was macht uns aus?

- Wer sind wir?

- Was bereichert uns?

Das beinhaltet auch Diskussionen rund um die Fragen:

- wie wollen wir uns wandeln?

- Wieviel Wandel darf noch sein?

- Was darf kommen, was nicht verloren gehen und

wann verliert unsere Stadt ihr Gesicht?

- Was muss unsere Stadt leisten?

- Was braucht s, um hier gut leben zu können?

- Wo müssen wir uns auch unserer Zeit anpassen?

- Was soll unsere Stadt prägen?

die Kur? Der Tourismus? Welche Zeitepoche?

- Und wer bestimmt das?

- Wer lenkt die Prozesse?

- Wer führt die Diskussion?


Diese Fragen brauchen klare Antworten!

Und klare Verantwortlichkeiten wer die Antworten gibt.

Wenn es keine Antworten gibt, gibt die Rendite sie.

Und ihre Antwort schafft

- Austauschbarkeit, denn es ist günstiger nur einen Bauplan zu haben. - Billigkeit, denn umso höher ist der Gewinn.

- Visual pollution, Hässlichkeiten allerorten, wenn Bauen nicht durchdacht und durchplant ist und ohne Empfinden für die identiätsstiftenden Faktoren eines Ortes hochgezogen wird.

Es braucht Diskussionen an der Basis.

Ein Ringen um das Schöne. Das Bereichernde.

Leider ist das Thema Bau- und Lebenskultur aus den allgemeinen Diskussionen verschwunden.

Man nimmt Hässlichkeiten schulterzuckend hin.

Allenfalls mit dem Kommentar, dass sie nicht zu kommentieren ist

und dass jeder tun und lassen kann, was er möchte.

Das wurde uns eingetrichtet – auch mit dem Hinweis, dass schön ja rein subjektiv ist.

Architekten haben uns eingeredet: was ihr schön findet ist bieder und mutlos.

Bauherren haben uns eingeredet: es muss praktisch sein, schön ist heute zu teuer.

War es früher billiger oder baute man vielleicht früher aus einer anderen Grundhaltung heraus.

Psychologen haben uns eingeredet: man muss den anderen estimieren und darf nicht kritisieren

Die Gestaltungspsychologie sagt: sehr wohl gibt es „schön“.

Und man darf schön einfordern: im Sinne von passend. Korrespondierend. Weiterführend. Weiterentwickelnd. Vielleicht, das, was in diesem Ort verbindet, neu interpretierend.

Und ist diese Forderung, sich zu Wort zu melden, nicht rechtens? Architektur und Gestaltung beeinflussen immer auch die Nachbarschaft, die sie aushalten muss.

Beeinflussen die Gemeinschaft, die einer Gelegenheit beraubt wurde, durch etwas Neues Identitätsstiftendes bereichert zu werden oder um eine neue Interpretation ihrer Geschichte gebracht wurde.

Die BI hat keine anderen Mittel, als darauf zu pochen.

Sie will es auf gute Weise tun:

Einladend, kompetent, sachlich, Perspektiven aufweisend und deshalb konstruktiv.

Wir tun das indem wir informieren,

zu Diskussionen anregen, sensibilisieren.

Wir haben das versucht im Jahresprogramm 2016 aufzugreifen. Es sieht im kommenden Jahr anders aus, als dieses Jahr.

- Mehr Beteiligung

- Mehr Bürger anstoßen

- Mehr Steine ins Rollen bringen